Erlaufsee, Zeller Hut im Hintergrund Grosser Kainz Erlaufursprung Blick zur Bürgeralpe Blick vom Gemeindealpe-Wanderweg zu den Zellerhüten Blick von der Bürgeralpe Blick von der Gemeindealpe

Erlaufsee, Zeller Hut im Hintergrund

Grosser Kainz

Erlaufursprung

Blick zur Bürgeralpe

Blick vom Gemeindealpe-Wanderweg zu den Zellerhüten

Blick von der Bürgeralpe

Blick von der Gemeindealpe

Fritz Eppel war der erste Bootsverleiher am Erlaufsee und Begründer des Strandbads. Zitate aus seinem Lebenslauf:

„Wie kommen Sie, ein Donaumensch, ausgerechnet als Käpt’n (mit Schiffführer Patent Nr. 13!) an den Erlaufsee?“ lautet die öfters an mich gerichtete Frage. Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Nicht das Schlagerlied „Am Wasser, am Wasser bin i z’haus“, auch nicht das größte Hochwasser des 19. Jahrhunderts, das es gab, als ich im Herbst 1897 in Wien, nur wenige Schritte von dem zu bersten drohenden Hochwasserschutzdamm entfernt zur Welt kam, prägten meinen Lebensweg, sondern meine Vorfahren. Sagt doch ein alter Spruch: „Deine Ahnen gehen immer leise mit dir durch’s Leben“. Es soll dies nicht bedeuten, dass ich nur auf dem Wasser zuhause war, aber beim Wasser war ich immer! – also auch beim Erlaufsee.

Unsere Vorfahren stammen urkundlich aus dem Odenwald und waren in „Eppelheim“ am Neckar, einem Vorort der Universitätsstadt Heidelberg, seit 1402 ansässig. Sie wanderten aus und kamen über den Allgäu 1632 in den Korneuburger Raum an die Donau. Mütterlicherseits stammen unsere Ahnen aus dem Mühlviertelmund waren ab 1650 Müller. Der letzte, der „Stegmüller aus Königswiesen“, mein Urgroßvater Stefan Exenberger, erwarb in Wien 1825 eine „kaiserliche Schiffmühle“; er war Mitbegründer meines Geburtsortes „Kaisermühlen“.

Als ich um die Jahrhundertwende schon fest auf den Füßen stand, nahmen mich meine Großeltern jährlich ein- bis zweimal zur Wallfahrt nach Mariazell mit, was später auch meine Eltern getan haben. Damals gab es noch keine Mariazeller Bahn. Die wurde erst 1907 eröffnet, reichte vorerst nur bis Laubenbachmühle und wurde mit Dampf betrieben. Wir fuhren daher meist bis Kernhof und von dort mit dem Fiaker nach Mariazell. Unterwegs begegnete man schon den ersten Mariazeller Buben, die freundlich grüßend die vorbeikommenden Wallfahrer zum Übernachten in den Herbergen einluden. Die heute meist schon verstorbenen Hoteliers wurden damals von ihren Eltern ausgesandt, um die ankommenden Fremden zu „köpfeln“, wie man dieses Werben nannte.

Ich kann mich noch an das Jubiläumsjahr des 750-jährigen Bestandes der Gnadenkirche von Mariazell erinnern. Aus diesem Anlass wurde diese später zur „Basilika“ erhoben. Die damals zu hunderttausenden zählenden Wallfahrer pilgerten meist zu Fuß aus der ganzen Monarchie, aber auch aus dem Ausland hierher. Mit dem Quartier gab es oft Schwierigkeiten. Es wurden bei starkem Andrang in der Kirche, später auch in den Sälen der Hotels durch Aufbreiten von Stroh Notunterkünfte geschaffen.

Meinen Vater zog es als Bootsbauer auch immer zum Wasser; jedes Mal nach der Wallfahrt machten wir einen Ausflug zum Erlaufsee. Natürlich ahnte ich damals noch nicht, dass ich hier einmal Fuß fassen sollte. Meine Großeltern kamen schon 1870 wallfahren nach Mariazell. Das damals hier erworbene Hochzeitsgeschenk, eine „Mariazeller Muttergottes“ in Seidenrobe unter großem Glassturz, verwahre ich heute nach 100 Jahren noch im Herrgottswinkel in der „Schifferhütte“. Eines der ersten Gruppenfotos meiner Großeltern von damals zeigt den auch heute noch beliebten Hintergrund der Gnadenkirche, allerdings war das Bild nicht wie üblich auf Papier, sondern auf dünnes Blech kopiert. Großvater, ein geborener Korneuburger, war auch ein eifriger Erlaufseebesucher und dem Wasser zugetan; er gründete 1886 unsere Bootsfirma in Wien.

In der „Schifferhütte am Erlaufsee“ werden mehrere Exponate über den um 1880 in Wien begonnenen und sich allmählich auf den österreichischen Seen verbreitenden Bootsbau und Wassersport, weiters von mir gesammelte Erinnerungsstücke unserer ehemaligen Marine, wie auch Bilder vom „Alt-Erlaufsee“ gezeigt. Die ersten Bootskonstruktionen und Bootbaupläne für Mietboote aus dem vorigen Jahrhundert, als unsere Firma auch damals Pionierleistungen vollbrachte, liegen in unserem Archiv. In den ersten Jahren nach Gründung unserer Firma gab es auf der Alten Donau in Wien nur Zillen und Flachboote zu mieten. Als mein Vater von seinem Gönner, dem englischen Marine-Oberingenieur Edward Drory, der seit 1843 Direktor der englischen Gasgesellschaft war, den konstruktiven Bootsbau erlernte und die ersten Kielboote nach seiner eigenen Konstruktion baute und im Mietbootgeschäft einsetzte, erfuhr dieses einen großen Aufschwung. Diese leichteren und schnelleren Miet-Ruderboote erfreuten sich bald der Gunst des Publikums. 1890 baute mein Vater die erste Segeljolle mit Schwert und erzielte damit einen großen Erfolg. Aufträge kamen aus der ganzen österreichisch-ungarischen Monarchie. Mehrere in- und ausländische Ausstellungen wurden mit unseren Erzeugnissen im Bootsbau beschickt: ein „Erster Staatspreis“, sowie mehrere Gold- und Silbermedaillen wurden bis zum ersten Weltkrieg errungen. Im Auftrag Kaiser Franz Josefs wurde im Jahre 1906 ein Boot in besonderer Ausführung für seine Enkelin, Erzherzogin Valerie, zu vollster Zufriedenheit und Anerkennung geliefert."

1974 verfasst von Fritz Eppel

Beim Zusammenstellen der Inhalte dieser Webseite ist aufgefallen, dass in den diversen Aufzeichnungen der Erlaufsee mit unterschiedlichen Angaben der Seehöhe (827 bis 835 m) angeführt ist. Mit Hilfe von www.mapcoordinates.net, basierend auf Google Maps, ergab sich ein moderner Beweis für das „Phänomen“: Nach Eingabe von „Erlaufsee“ und entsprechender Vergrößerung des Kartenausschnitts ist es möglich, mittels positionieren der Maus und anklicken verschiedene Positionen am See anzuzeigen und die Meereshöhe abzulesen. Werte von 827 bis 833 m! Sehr erstaunlich!

Viele Jahre war eine große Stranduhr, die mit guten Augen weithin vom See aus ablesbar war, fast ein Wahrzeichen des Erlaufsees. Anfang der 1950er Jahre von der Gemeinde Wien erstanden, wurde das noch brauchbare Zahnrädergetriebe auf elektrischen Antrieb umgebaut. Die vormalige Pendeluhr stammte vom Rathausturm der früheren Vorstadt Hernals.

Fritz Eppel berichtet aus den Anfängen am See: "Telefonieren war anfangs geradezu abenteuerlich. Vom Erlaufsee konnten wir Mariazell nur in dringenden Fällen von einer Privatstelle am oberen Seeende erreichen. Es musste ein Ferngespräch über Mitterbach und Lilienfeld angemeldet und bezahlt werden. Die erste öffentliche Fernsprechstelle wurde im Hotel Herrenhaus im Jahre 1957 errichtet."

Wieder ein Bericht von Fritz Eppel: "Eines Tages holten wir langes Rundholz für den Stegneubau aus dem Wald am gegenüberliegenden Seeufer. Eine am Steilhang stehende starke Lärche wurde gefällt, abgerindet und gekürzt. Kaum waren wir damit fertig, entglitt uns dieser 15 m lange, aalglatte, schwere Baumstamm und schoss pfeilschnell in einer Waldschneise den Berg hinunter, direkt auf das unten an der Seestraße gelegene Hausmeisterhäuschen der Igler-Schuster-Villa. Ferdinand Pomberger stürmte voran bergab, wohnte doch seine alte Schwester, Frau Bosch, dort in der Mansarde. Sie hatte wohl einen Schlag gehört und die Erschütterung des Hauses vernommen, war aber so wie wir überrascht, als wir sahen, dass der Baumstamm an der Wand knapp neben dem Sessel, den sie sonst benützte, wie ein Geschoß ohne größeren Schaden anzurichten, stecken geblieben war. Wir zogen diesen schweren Brocken mit Seilen heraus, ersetzten mehrere Dachziegel und ich dankte der auf der großen Villa angebrachten, den Erlaufsee beschirmenden Mutter Gottes."

In den Umrissen des Erlaufsees wollen Gläubige das Profil der „Madonna mit Kind“ erblicken. Ein großer Bildstock, ein Steinrelief an der seeseitigen Hausfront der ehemaligen Igler-Schuster-Villa, hoch oben und vom See weit sichtbar, gilt als Votivbild.

In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass bei frühen Motorbootrundfahrten am See der Bootsführer seinen Gästen diese Villa oft als „Bischofssitz“ verkaufte.

Noch einmal Fritz Eppel: "An einem kühlen Herbsttag sah ich, von einem vorbeikommenden Motorradfahrer aufmerksam gemacht, mitten am See etwas Buntes schwimmen. Nach einiger Zeit kam ich darauf, dass es sich um eine im See aufrecht mit ausgebreiteten bunten Kleidern an der Wasseroberfläche langsam dahintreibende Frau handelt. Nach ihrer Bergung stellte sich heraus, dass sie eine Lebensmüde war, die nicht versinken konnte. Sie war vom seichten Ufer langsam in den See gegangen. Ihre Kleider, die sich mit Luft angefüllt hatten, hielten diese Frau über eine Stunde an der Wasseroberfläche. Nach drei Tagen konnte sie das Mariazeller Krankenhaus, wo sie wegen Unterkühlung behandelt werden musste, wieder verlassen."